ABORT SCHIELT IN DIE STADT

Es trennt sich etwas ab.. von mir auf dem Klo, Klosett, WC, Lokus, Abtritt, Örtchen, Null-Null, Kabinett, Pissoir, Schinetbed, Latrine, Donnerbalken, Scheiß-Haus! Aber Null-Null? Begann damit nicht unvoreingenommen mein erstes wonniges Behagen? Des Hänflings erste Note? Am Abort, diesem hässlichem nicht zu empfehlenden WortFleckchen? Nein.. gelobt sei die Großmama, die nannte es Clairchen, den Sonnenaufgang! Ab und Auf, Auf und Ab, tja.. unser Leben, sozusagen.

Schielend hoben sich meine Arschbacken in den Himmel und erblickten die Stadt von rosa weißer Brille. Umhüllt von PVC schossen meine Verkalien den Damm entlang. Was für ein Abtritt! Was für ein Ausritt – arme Welt, die das auszuhalten hatte!

Zeitung weg! Blick nach draußen! Bürobaracke. Lager! Gewerbe! Erstmalig wieder Verkehr. Autoparken – Erstmalig wider dem Verkehr.

Grüner Knopf. Einwurf. Start. Nadeldruckhämmerndes – Klirren – Abtritt. Quälender Auswurf. Schichtung. Farben. Zeitung her! BILD. Bild dir eine Meinung! >>Na schon neugierig?<<

Mittags im Bademantel auf der Strasse! Das hilft sofort! Hustensaft zum lutschen! Es ist zum Haareraufen, Solveigh (25) telefonierte zu lange mit ihrer besten Freundin, so dass ihr keine Zeit mehr blieb sich ANZUZIEHEN..

>>Wie tun es die Frauen? <<

Nackte Männer sind selten.. Vielleicht nur ein kleiner Pups? Immer wieder erstaunt mich ihr schnelles Glück! Welches, natürlich in ihrem Sinne gesprochen, überhaupt keines ist, eher belangloses Bedürfnis, schnell, knackig ohne viel Aufwand!

Meine Konzentration gilt jetzt wieder ganz dem Verkehr! Abwechselnder Druck, PRESSUNG! >>Es muss, es hat gemusst, es hat muss gemacht!<< Ich ertappe mich dabei, schimpfend, ihn zu riechen, ihn quasi wegzuriechen, zu bekämpfen, zu entfernen, jenen ersten sich wärmenden an die Backen schmiegenden, ich bin wer, die erste schmerzhafte Trennung und Entweihung, unsere erste lockere Loslösung vom Eigenen..

>>Es muss, es muss schon wieder! <<

Verkehr! Lagermaterial. Sicher zur Stadt zum Wohnen, Nisten, Horsten, Gehölzen, Nestern, Obdächern..

Braunroter Boden. Darauf, leicht rosa farbene Füßchen, ein wenig verschränkt in rotschwarzem Schlüpfer. Feststeckend. Noch rechtzeitig rücken wandernd MEINE Augen aus. >>Mir ist es kalt. Schlimm ist es, wenn es mir kalt ist, so kalt! <<

Sie bleiben senkrecht, zwölf Zentimeter in klarer Abgrenzung über dem kalten braunrotem Boden stehen. Die Unterkante meiner Hand schneidet ihnen, von mir aus gesehen, den Blick oberhalb meines Knies ab. So stieren sie mir geradewegs durch die Knie, auf die glatte, einer schlanken Hüfte ähnelnden, weißen Keramik.

Leichte Unschärfe im BILD – Fokussierung. Einstellung. Heran – wieder weg! Kurze Pause! Dann wieder von vorne.

Fünf von einander sich abgrenzende, jeweils wie aus einem Guss gewachsene Glieder, hibbeln vor sich hin! Dunkel um mich herum! Jemand hat das Licht ausgeknipst! Jetzt neben mir, ein kurzes Stöhnen! Geräusch dringt mir direkt ins Ohr! Ich bin Mucksmäuschenstill – eine Fingerkuppe verschließt das linke, die andere das rechte Ohr. >> Ich mag es nicht auf dem Schinetbed behelligt zu werden! << Rauschen..

Ich komme mir vor wie ein Meerschwein, welches in Todesangst die Augen verschließt!   Mein Trauma endet im Schmerz! >>Reale Fiktion<< Schnabel packt Schwein! Schwein kriegt Flügel. Halluziniert sich zum Fliegen!

Entstöpselung! Stille! Aufatmen! Ich ritze mit scharfem Gegenstand ins spröde Material; In Nutzung! Immer noch in Nutzung! Gasse bleibt leer, herausbaumelndes Verladen der Substanz! >>Was soll das denn schon wieder heißen! Kann man denn nicht einmal alles in einem Satz Aufklären!

<< ES IST UM AUFKLÄRUNG bemüht!

Unter den Stahlwalzen erklingen die Schweißnähte der Schienen gleichmäßig im Takt als wären sie komponiert zur einer harmonischen Sinfonie. Ohne Zweifel, das Zuggeräusch berührt mein Gefühl am nächsten. Es trifft sozusagen genau mein eigenes Bild – anders als das Automobil; kurze herzliche Begrüßung, Austausch von Körperlichkeit, Verlust, fort! – Es erweckt in mir sozusagen die Maschine! Suggeriert, beeinflusst, manipuliert in mir die Weite und Tiefe meines Heimwehs und meines Fernwehs zugleich – dieses endlos langsame Vorübergleiten der Waggons!

Grüne, rote, weiße, gelbe, helle, dunkle Fensterscheiben, Gesichter, Köpfe, Haare, Glieder, Lichter, Lampen, Sitzbezüge, Ledertaschen, Bücher, Zeitungen, Garderobenharken, Mäntel, Jacken, Blusen, Busen, Brüste, Nasen, Ohren, Hälse .. Schilder, 1. Klasse, 2. Klasse, Speise, Güter, Antriebswagen, vorne, hinten, alles zusammen, schneller, langsam, an,- vor,- miteinander, an mir vorüber..

Ganz anders als das Automobil – spielt es mir in einer Klarheit, in einer Ungeteiltheit, praktisch, Das Lebendige selbst, meine eigene Melodie, die Überlagerung des Raumes, der Bewegung, der Zeit und des Lichtes in Form der Komplexität. Der Blick endet und beginnt dort, wo er sich als kleiner Punkt auflöst. Auf der Lichtung! Schiene! Entlang der Platte Brache, Öde, Leere, Wildnis oder Steppe. Es gibt keinen Schutz! Keine Durchmischung! Keinen Knick! Es gibt die Nähe und die Ferne, genau so wie die Schärfe und die Unschärfe, die Weite und die Tiefe! Der Zeitzug deutet sich an, weitet sich aus, hält im Aufeinandertreffen an und nimmt parallel zur Andeutung wieder ab.

Stadt bricht entlang der Platte, 5 Grad Celsius.